Wer führt den Hochschulvergleich durch?
Die Österreichische Qualitätsicherungsagentur
(AQA) koordiniert die Datenerhebung zum internationalen Hochschulvergleich
in Österreich. Die Methodik
des Vergleichs wurde vom Centrum für Hochschulentwicklung
(CHE) erarbeitet und wird gemeinsam mit der AQA und den Fachbeiräten weiterentwickelt.
Die Datenerhebungen werden jährlich durchgeführt.
Wann werden welche Fächer untersucht?
Die Studienrichtungen werden alle drei Jahre im Turnus untersucht. Im Herbst/Winter
2004/2005 wurden Studienangebote der Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhoben. Der Vergleich 2005/2006
untersuchte Studien der Naturwissenschaften und Informatik. In der Erhebungsrunde
2006/2007 wurden die Studien der Ingenieur- und Geisteswissenschaften sowie die
Studien Erziehungswissenschaft und Psychologie analysiert.
Woher stammen die Daten?
Die auf der Website präsentierten Daten setzen sich aus Fakten (z. B.
Drittmittel pro WissenschafterIn) und Studierendenurteilen (z. B. Beurteilung
des Lehrangebots und der Infrastruktur) zusammen. Die Daten werden durch die
Universitäten selbst bereitgestellt (Fragebogen
für Universitätsverwaltungen, PDF bzw. Fragebogen
für Fachbereiche, PDF), bzw. im Zuge der Befragung von Studierenden
(Fragebogen
für Studierende, PDF) und Lehrenden (Fragebogen
für Lehrende, PDF) erhoben.
Wie erfolgt die Zuordnung zu den Ranggruppen?
Zur Festlegung von Ranggruppen (Spitzen-, Mittel und Schlussgruppe: farblich
grün, gelb und rot gekennzeichnet) werden zwei Verfahren eingesetzt.
Fakten: Gruppenbildung nach Quartilen
Bei den Fakten (z.B. „Promotionen pro ProfessorIn“ und „Drittmittel
pro WissenschafterIn“) werden die Werte der Größe nach geordnet
und dann in drei Gruppen eingeteilt: Die Hochschulen der ersten 25 Prozent
der Rangwerte (1. Quartil) werden der Spitzengruppe zugeteilt, die Hochschulen
der nächsten 50 Prozent der Rangwerte (2. und 3. Quartil) der Mittelgruppe
und die letzten 25 Prozent der Rangwerte (4. Quartil) der Schlussgruppe. Wenn
Werte sehr dicht beieinander liegen, orientiert sich die Gruppeneinteilung
an deutlichen Unterschieden in den Daten („Sprungstellen“).
Urteile: Gruppenbildung nach signifikanten Abweichungen vom Durchschnittsurteil im Fachbereich
Bei den Urteilen der Studierenden („Bibliotheken“, „Studienorganisation“ usw.) werden
die jeweiligen Mittelwerte der Studienbereiche in ihrer relativen Position
zum Durchschnittswert für den gesamten Studienbereich eingeordnet. Maßgeblich
für die Einordnung in eine Ranggruppe ist dabei ein Konfidenzintervall
um den jeweiligen Mittelwert, welches neben der Anzahl der Urteile berücksichtigt,
wie einheitlich die Beurteilungen an einem Fachbereich ausgefallen sind. Bei
den Studierendenurteilen handelt es sich um das 95%-Konfidenzintervall basierend
auf Normalverteilungsannahme. Liegt der in dieser Untersuchung erhobene Mittelwert
für den Fachbereich außerhalb des Intervalls eines Fachbereichs
an einer Hochschule, erfolgt eine Einordnung in eine der Extremgruppen, andernfalls
eine Zuordnung zur Mittelgruppe.
Damit ist sichergestellt, dass zwischen den Hochschulen der Spitzen- und Schlussgruppe
erhebliche und statistisch signifikante Mittelwertunterschiede bestehen. Im
Unterschied zu den über Quartile ermittelten Gruppen (die immer einen
bestimmten Prozentsatz der Hochschulen enthalten) ist bei diesem Verfahren
die Größe der (Spitzen-)Gruppe nicht festgelegt, sie ergibt sich
vielmehr aus dem Ausmaß von Binnenvarianz an den einzelnen Studienbereichen
und der Varianz zwischen den untersuchten Studienbereichen. Wenn in einem
Fach die Unterschiede zwischen einzelnen Hochschulen gering und die Antworten
in den Studienbereichen sehr heterogen ausfallen, sind nur wenige Hochschulen
in der Schluss- oder Spitzengruppe anzutreffen.
Es kann dabei vorkommen, dass Studienbereiche mit gleichen oder ähnlichen
Mittelwerten, aber unterschiedlich großen Konfidenzintervallen, wenn
sie an der Grenze zwischen einer Extremgruppe und der Mittelgruppe platziert
sind, gelegentlich in unterschiedliche Ranggruppen einsortiert werden. In
seltenen Fällen kommt es dann sogar vor, dass ein Studienbereich mit
einem „besseren“ Mittelwert in der Mittelgruppe landet, während
derjenige mit dem „schlechteren“ Mittelwert in die Spitzengruppe
einsortiert wird. Eine solche, von einer rein mittelwertorientierten Rangordnung
abweichende Gruppierung ist sicherlich ungewohnt, aber keineswegs unplausibel:
Die Orientierung an den Konfidenzintervallen drückt nämlich inhaltlich
die Berücksichtigung der Homogenität der Beurteilungen aus, technisch
die größere Schlusssicherheit auf den im statistischen Sinne „wahren“
Mittelwert der Grundgesamtheit. Es macht also durchaus Sinn, dass, in allerdings
seltenen Fällen, das geringfügig schlechtere, aber von den Studierenden
weitgehend übereinstimmend gefällte Urteil zu einer besseren Platzierung
führt als die etwas bessere, aber auf sehr heterogenen Urteilen beruhende
– und in diesem Sinne unsichere - Bewertung.
Die Ranggruppen haben allerdings nur eine grobe, orientierende Funktion. Es
finden sich durchaus auch innerhalb der Spitzengruppe und innerhalb der Schlussgruppe
signifikante Unterschiede zwischen Fachbereichen. Umgekehrt bestehen zwischen
vielen Studienbereichen der Mittelgruppe und den Extremgruppen keine signifikanten
Mittelwertunterschiede. Die hier gewählte Ranggruppenzuordnung erlaubt
aber zuverlässig die Identifikation von „gut“ und „schlecht“,
wenn man das Durchschnittsurteil im Fach zum Maßstab nimmt.
Dass bei sehr geringen Mittelwertunterschieden dann auch kleine Differenzen
über die Zugehörigkeit zur Mitte oder zur Extremgruppe entscheiden,
liegt in der Natur von Gruppenbildungen.
Was sagt die Zuordnung zur Spitzen-, Mittel- oder Schlussgruppe aus?
Eindeutige Stärken und Schwächen lassen sich nur aus roten und grünen Punkten ableiten.
Gelbe Punkte bedeuten nicht Mittelmaß, sondern lassen keine eindeutige
Aussage zur Studien- oder Forschungsqualität zu.
Umfasst der Vergleich nur subjektive Urteile über die Universitäten?
Häufig wird dem Hochschulvergleich vorgeworfen, dass er nur subjektive
Meinungen und Urteile über die Hochschulen beinhaltet, die kein “echtes”
Bild der Situation an den Hochschulen zeichnen können. Dieser Vorwurf
trifft auf manche Vergleiche/Rankings zu, die beispielsweise ausschließlich Studierende
oder ProfessorInnen oder Arbeitgeber zu ihren Einschätzungen befragt
haben. Der Ansatz dieses Vergleichs ist es, aus verschiedenen Perspektiven ein
genaues und differenziertes Bild der Studienbedingungen und der Leistungen
der Hochschulen zu gewinnen. Hierzu zählen Einschätzungen und Urteile
der Studierenden über das Studium an ihrer eigenen Hochschule ebenso
wie Fakten und Tatsachen. Die Studierenden sind diejenigen, um die sich die
Hochschule dreht - sie können als NutzerInnen oder KundInnen der Hochschulen
die Studienbedingungen und die Lehre kompetent beurteilen.
Warum habe ich keinen Fragebogen erhalten, obwohl meine Studienrichtung
im Vergleich vertreten ist?
Für die Studierendenbefragung werden zufällige Stichproben von 500
Studierenden pro Studienrichtung gezogen, die im 3.-12. Semester eines Diplom-/Lehramtsstudiums,
im 3.-7. Semester eines Bachelorstudiums oder im 3.-4. Semester eines Masterstudiums studieren.
Kann man österreichische Universitäten mit deutschen und
Schweizer Universitäten überhaupt vergleichen?
Im internationalen Vergleich wurde ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass
nur vergleichbare Indikatoren in die internationale Auswertung aufgenommen
werden. Einige Indikatoren wurden daher in Österreich nicht erhoben,
andererseits gab es auch Fragestellungen, die nur in der österreichischen
Erhebung berücksichtigt wurden.
Nehmen auch Fachhochschulen am Vergleich teil?
In Deutschland und der Schweiz werden Fachhochschulen genauso gerankt wie
Universitäten. Die österreichischen Fachhochschulen haben sich in
den Erhebungsrunden 2005-2007 in Form eines Probelaufes beteiligt, die
Ergebnisse werden nicht veröffentlicht.
Was ist ein Studien- bzw. Fachbereich?
Ein Studienbereich setzt sich aus Fachbereichen zusammen, die inhaltlich zusammengehörige
Studienrichtungen beinhalten. Der Studienbereich
Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften etwa enthält z.B. in Österreich
6 Fachbereiche, die sich beim Hochschulvergleich 2005 wie folgt zusammensetzen:
| Studienbereich | Fachbereich | Studienrichtung | Studienform |
| Betriebswirtschaft | Angewandte Betriebswirtschaft | Diplomstudium |
|
| Betriebswirtschaft | Bakkalaureat |
||
| Betriebswirtschaft | Diplomstudium |
||
| Internationale Betriebswirtschaft | Diplomstudium |
||
| Internationale Wirtschaftswissenschaften Studienschwerpunkt Betriebswirtschaft |
Diplomstudium |
||
| Wirtschaftswissenschaften - Studienschwerpunkt Betriebswirtschaft | Diplomstudium |
||
| Politikwissenschaft | Politikwissenschaft | Diplomstudium |
|
| Rechtswissenschaften | Integriertes Diplomstudium der Rechtswissenschaften | Diplomstudium |
|
| Rechtswissenschaften | Diplomstudium |
||
| Soziologie | Soziologie (Geisteswissenschaften) | Bakkalaureat |
|
| Soziologie (Geisteswissenschaften) | Diplomstudium |
||
| Soziologie (Sozialwissenschaften) | Bakkalaureat |
||
| Soziologie (Sozialwissenschaften) | Diplomstudium |
||
| Volkswirtschaft | Volkswirtschaft | Bakkalaureat |
|
| Volkswirtschaft | Diplomstudium |
||
| Wirtschaftswissenschaften - Studienschwerpunkt Volkswirtschaft | Diplomstudium |
||
| Wirtschaftsinformatik | Wirtschaftsinformatik | Bakkalaureat |
|
| Wirtschaftsinformatik | Diplomstudium |